Interview
Interview mit Thomas Prinz
"Den Wandel für Laatzen in die Hand nehmen."
Herr Prinz, was hat Sie angetrieben, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren?
Aus meiner Tätigkeit als Geschäftsleiter der Niedersächsischen Landestreuhandstelle, des traditionellen niedersächsischen Förderinstituts, insbesondere für den Wohnungsbau und die Städtebauförderung, weiß ich sehr genau, dass sich die Städte Deutschlands wandeln werden. Als Bürgermeister werde ich selbst die Chance haben, diesen Wandel für Laatzen in die Hand zu nehmen, also selbst Politik zu machen.
Welche Ziele verfolgen Sie konkret?
Einerseits will ich eine städtebauliche Weiterentwicklung Laatzen-Mittes. Unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger sollen weiterhin gerne dort wohnen und auf die Straßen gehen, um einander zu begegnen. Andererseits will ich, dass in den dörflicheren Lagen eine Infrastruktur erhalten bleibt, das Lebensälteren erlaubt, möglichst lange selbständig zu bleiben. Für beides ist aber unabdingbar, dass auch die Menschen Laatzens mitgenommen werden. Jung und Alt müssen neue Formen eines Miteinander-Lebens lernen. Dies muss die Stadt initiieren und unterstützen. Außerdem müssen wir so gut wie jede und jeden, die unter uns leben, integrieren und qualifizieren unabhängig davon, ob die Einschränkungen aus sozial belasteten Verhältnissen oder fremder Herkunft herrühren. Am wichtigsten sind dabei die Vermittlung sprachlicher Fähigkeiten und eine gute schulische Bildung. Zu beidem kann die Stadt beitragen. Und wir müssen der Wirtschaft den Raum geben, damit sie Arbeitsplätze schaffen und erhalten kann, also möglichst wenig Hindernisse bereiten, aber Unterstützung bieten, wo diese notwendig ist. Außerdem möchte ich die Identität Laatzens verstärken, indem noch mehr für Laatzen geworben wird und uns Laatzenern und unseren Gästen noch mehr kulturelle Angebote unterbreitet werden. Dies sind meine Ziele.
Was ist die größte Herausforderung für Laatzen in den nächsten acht Jahren?
Laatzen muss sich auf demografischen Wandel - den in der Alters-, aber auch in der sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Struktur - einstellen und die Voraussetzungen für eine Bewältigung daraus entstehender Probleme schaffen.
Was ist nach Ihrer Auffassung die wichtigste Eigenschaft eines Stadtoberhaupts?
Eine reicht nicht. Am wichtigsten ist die Sachkenntnis, eine Stadtverwaltung leiten zu können. Dazu gehören fachliche, organisatorische und Personalführungskompetenzen und nicht zuletzt die Fähigkeit, politisch zu überzeugen und im Stadtrat die notwendigen Mehrheiten finden zu können. Außerdem muss ein Bürgermeister offen für die Belange der Bürgerinnen und Bürger sein und auf sie zugehen können.
Wie sind Sie überhaupt zur SPD gekommen?
Als ich Anfang der 1970er begann, mich für Politik zu interessieren, war dies eine Zeit des gesellschaftlichen Aufbruchs, ausgebauter Chancengleichheit und der Beginn einer Überwindung des Ost-West-Konfliktes. Für dies stand für mich die SPD, und das auch im Rückblick zu Recht.
Nun zu Ihrem Privatleben, Herr Prinz. In Ihrer Freizeit fahren Sie gerne Motorrad; wie sind Sie zu diesem Hobby gekommen?
Durch meine Mutter, die mir zum 18. Geburtstag den Führerschein schenkte und übrigens im Alter von 70 Jahren das letzte Mal mit fuhr. Und den Motorradführerschein schenkte sie mir, weil sie um meinen sehnlichen Wunsch wusste. Für meine Schulfreunde und mich verkörperte ein Motorrad Freiheit, wesentlich mehr als ein Auto.
Wohin reisen Sie am liebsten?
Im Wohin sind meine Frau und ich nicht sonderlich festgelegt. Wir versuchen, einmal im Jahr in der Ferne zu wandern, waren deswegen z. B. schon im Sinai oder auf Reunion. Eine Woche gehts im Herbst oder Winter an die deutsche Nord- oder Ostssee, zur Sauna, zum Schwimmen und an die langen Strände. Im letzten Sommer waren wir mit dem Motorrad in Südnorwegen und schweden.
Und was essen und trinken Sie gerne?
Am liebsten esse ich deftig. Hin und Wieder speise ich gerne auch im feinen Restaurant. Als geborener Wuppertaler trinke ich gerne ein Bier zum Essen, als Urenkel eines Moselwinzers aber auch gerne einen guten Wein.
Wenn Sie dazu Zeit haben, was lesen Sie?
Krimis, politische Biografien und Fach-Zeitschriften.
Worauf sind Sie besonders stolz?
Auf meine Frau.
Welche Stärken und welche Schwächen haben Sie?
Manchmal bin ich ungeduldig. Aber ich kann auch ungeheuer beharrlich sein. Ich bin zuverlässig.
Und was sagt Ihre Frau hierzu?
Sie weiß noch viel mehr Gutes über mich zu sagen.
Wenn Sie ein Tag Bundeskanzler wären, was würden Sie tun?
Ich würde versuchen, der EU beizubringen, dass sie sich aus den Details in den Mitgliedsstaaten, den Bundesländern und den Kommunen besser heraushält.
Ihr Lebensmotto?
Mit offenen Augen durch das Leben gehen.
Was ist Ihre schönste Kindheitserinnerung?
An meinen Vater, wenn er mir Geschichten erzählte.
In und Outs. Ich nenne Ihnen nun einige Begriffe; bitte sagen Sie nur in oder out:
Ganztagsschulen? in
Mehrwertsteuererhöhung? out
Atomenergie? out
Danke für das Interview, Herr Prinz.
Laatzen, 25. März 2006
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